Die Martinsgans ist für mich der Start in die Gänsesaison: Anfang November steht der erste große Gänsebraten auf dem Tisch, lange vor Weihnachten. Hier findest du meine Rezepte rund um die Gans, von der ganzen Gans über Keulen und Soße bis zu Fond, Schmalz und Frikadellen. Dazu das Wissen aus meiner Küche: Einkauf, Auftauen, Garzeit, Kerntemperatur und wie du die Gans auslöst. So wird wirklich alles von der Gans verwertet.
Ganze Gans, Keulen, Gänsebrust und Gänseklein
Wenn ich eine ganze Gans verarbeite, nutze ich alles: Aus Knochen und Klein koche ich einen kräftigen Fond als Basis für Saucen und Suppen, aus dem gegarten Fleisch werden Frikadellen, und das ausgelassene Fett hebe ich für Gänseschmalz auf. Welcher Teil wofür taugt, siehst du hier.

Tiefgekühlte Gänse liefern zarteres Fleisch als frische. Ich lege sie zum Auftauen über Nacht auf ein tiefes Backblech und decke sie mit einem Geschirrtuch ab, dann läuft das Auftauwasser ab und die Haut bleibt trocken. Gefüllt wird klassisch mit Äpfeln, Zwiebeln und Beifuß oder Majoran. So brate ich die Weihnachtsgans und die Martinsgans.

Wer keine ganze Gans braten möchte, fährt mit den Keulen entspannter. Ich schmore sie mit Deckel bei 175 °C 80 Minuten, dann kommt das Gemüse dazu und sie garen 20 Minuten ohne Deckel weiter. Die Haut darf nicht mit Flüssigkeit bedeckt sein, sonst wird sie nicht knusprig. Das ganze Rezept: Gänsekeulen im Ofen.

Die Gänsebrust erreicht die Kerntemperatur früher als die Keule. Deshalb löse ich die gebratene Gans aus: erst die Keulen am Gelenk, dann die Gänsebrust am Brustbein entlang in einem Stück. Kurz vor dem Servieren grille ich die Stücke mit der Haut nach oben knusprig und schneide die Gänsebrust erst danach auf. Wie man eine Gans tranchiert, zeige ich im Video.

Zum Gänseklein gehören Hals, Flügel, Herz, Leber und Nieren. Karkasse, Hals, Flügel, Innereien und die dunklen Bratenrückstände kommen mit Apfel, Zwiebeln und Majoran in den Topf für die Soße zur Gans. Aus den Gänseknochen koche ich Gänsefond: mindestens drei Stunden und ohne Deckel, ein aufgelegter Deckel würde den Fond trüben.

Für die Soße nehme ich nur das dunkle Bratenfett. Das helle Gänsefett schöpfe ich ab und bewahre es seperat auf: Es ist ein hitzestabiles Bratfett, Bratkartoffeln schmecken darin besonders aromatisch. Daraus lasse ich auch Gänseschmalz aus. Reines Gänsefett bleibt weich, fester wird das Schmalz mit Gänseklein, Apfel und Zwiebeln oder mit etwa einem Drittel Schweineschmalz.
Einkauf: frisch oder tiefgekühlt
Du kannst eine frische oder eine tiefgekühlte Gans kaufen. Ich greife zur tiefgekühlten, denn gefrorene Gänse sind unter Feinschmeckern beliebt, weil das Fleisch dabei zarter wird. Plane dann das Auftauen über Nacht ein.
In fast allen deutschen Supermärkten gibt es bereits gebratene und ausgelöste Gänse tiefgekühlt zu kaufen. Sie lassen sich rasch im Backofen knusprig erhitzen. Eine selbst zubereitete Gans übertreffen sie nicht, aber für einen schnellen Festtagsbraten sind sie eine gute Option.
Beim Einkauf achte ich auf die Haltungsangabe. Die Bezeichnung „Freilandhaltung“ ist gesetzlich festgelegt und bedeutet mindestens vier Quadratmeter Auslauf für jede Gans. Ich empfehle dir eine Gans aus Freilandhaltung oder mit Bio-Siegel.
Aufbewahren: Fond, Soße und Schmalz auf Vorrat
Die klassische Gänsesoße lässt sich gut am Vortag kochen. Den Gänsefond fülle ich kochend heiß in Gläser, im Kühlschrank hält er dann 2 bis 4 Wochen. Gänseschmalz war früher in vielen Haushalten ein geschätzter Vorrat, weil es lange haltbar ist und sich vielseitig verwenden lässt. Reines Gänseschmalz hat bei ungekühlter Lagerung eine fast flüssige Konsistenz.
Eine frische Gans lagerst du am Besten abgedeckt im kältesten Bereich des Kühlschranks und bereitest sie innerhalb von zwei Tagen zu. Bei einer tiefgekühlten Gans richte ich mich nach dem Datum auf der Packung.
Saison
Gans hat von Oktober bis Februar Saison. Mit der Martinsgans am 11. November beginnt für mich die Gänsesaison.
Vorbereiten: trocken, gesalzen, gefüllt
Damit die Haut knusprig wird statt zu dämpfen, tupfe ich die Gans vor dem Einlegen in den Ofen innen und außen trocken und salze die Haut. Dann kommt die Füllung in den Bauchraum.
Klassisch füllt man die Gans mit Äpfeln, Zwiebeln und Beifuß oder Majoran, dazu Salz und Pfeffer. Beifuß gehört seit Jahrhunderten zur Küche fettreicher Fleischgerichte, weil seine herb-würzige Note den kräftigen Braten ausbalanciert. Die Äpfel und Zwiebeln kommen geviertelt in den Bauchraum und würzen den Bratensaft und damit die Soße. Womit würzt man eine Gans?
Ich brate die Gans vormittags, löse sie gegen Mittag aus und setze die Soße an, die Beilagen stelle ich nachmittags fertig. Die ausgelösten Keulen und die Gänsebrust stehen auf einem Blech bereit, die Soße zieht in der Zwischenzeit. Erst kurz vor dem Essen grille ich die Stücke knusprig.
Garen, auslösen, Soße
Eine Gans gart bei 170 °C Heißluft je nach Gewicht rund 2 bis 3 Stunden, eine Gans von etwa 3,5 Kilogramm braucht ungefähr 2 bis 2,5 Stunden. Durchgegart und saftig ist sie bei 75 bis 80 °C Kerntemperatur, gemessen an der dicksten Stelle der Keule, nicht am Knochen. Eine Gans wird immer durchgegart, nicht rosa. Knusprig wird die Haut durch Trockentupfen, Salzen, regelmäßiges Übergießen mit dem Bratensaft alle 20 Minuten und ein Grill-Finish bei 220 °C, nicht durch längeres Garen. Mehr dazu in den Kochfragen Wie lange muss eine Gans in den Ofen?, Wann ist die Gans gar? und Wie wird die Gänsehaut knusprig?
Ich sehe immer wieder, dass Gänse zu lange am Stück im Ofen bleiben und dann trocken und zäh auf den Tisch kommen. Die Gänsebrust erreicht die ideale Temperatur früher als die Keule, deshalb löse ich aus. Beim Übergießen mit dem Bratenfett salze ich jedes Mal etwas nach.
Die Gans etwas abkühlen lassen, dann die Keulen am Gelenk lösen und die ganze Gänsebrust am Brustbein abnehmen. Anders als beim Truthahn, den man oben gleich in Scheiben schneidet, nimmst du bei der Gans die Gänsebrust mit einem Schnitt am Brustbein in einem Stück ab. Die Gänsebrüste schneide ich erst nach dem finalen Grillen auf, damit sie saftig bleiben. Bei der Ente gehst du genauso vor.
Die beste Soße entsteht aus dem, was nach dem Auslösen übrig bleibt. Für den Fond kühle ich die Gänseknochen vor dem Ansetzen ab oder setze heiße Knochen mit kaltem Wasser oder Eiswürfeln an, um die Temperatur zu senken. Gegartes Gänseklein kann ich mit auskochen. Zum Schluss seihe ich den Fond durch ein vorher ausgekochtes Passiertuch. Gebunden wird die Soße mit geriebener Kartoffel oder Speisestärke. Nimmst du fertig gekauften Gänsefond, schwitze zwei Zwiebeln und zwei Äpfel, klein geschnitten, in Gänsefett 15 Minuten glasig an: Das gibt der Soße eine angenehme Frische.
Wofür ich Gans und Gänsefett nehme
Die klassischen Beilagen zur Weihnachtsgans sind Blaukraut und Knödel. In meiner Lehrzeit in einem bayerischen Restaurant servierten wir zur Gans Brezenknödel, Schupfnudeln und frisch zubereitetes Blaukraut. Das helle Gänsefett nutze ich im Winter weiter: Zwiebel- und Apfelstücke brate ich darin an, bevor ich das Blaukraut zubereite, Winter-Bratkartoffeln schmecken darin besonders aromatisch, und Knödel vom Vortag brate ich in Scheiben darin zu Knödelgröstl. Wie du daraus Gänseschmalz machst, zeige ich dir Schritt für Schritt. Bleibt gegartes Fleisch übrig, werden daraus Gänsefrikadellen, gewürzt mit den klassischen Gänsegewürzen Majoran und etwas Beifuß. Ausgelöstes Gänsefleisch passt nach den Feiertagen auch hervorragend zu Nudeln, dazu die Soße zur Gans.
Herkunft
Der größte Teil der Gänse im deutschen Handel kommt aus Polen und Ungarn, häufig aus einer schnellen Mast von rund zehn Wochen. Gänse aus Deutschland wachsen meist deutlich länger, mit 16 Wochen und mehr, oft mit Auslauf im Freien, und kosten deshalb mehr.
Häufige Fragen zur Gans
Wie lange muss eine Gans in den Ofen?
Eine Gans gart bei 170 °C Heißluft je nach Gewicht rund 2 bis 3 Stunden. Als Richtwert braucht eine Gans von etwa 3,5 Kilogramm ungefähr 2 bis 2,5 Stunden. Punktgenau wird es mit dem Thermometer.
Welche Kerntemperatur braucht eine Gans?
In der Keule gemessen ist die Gans bei 75 bis 80 °C durchgegart und saftig. Miss an der dicksten Stelle der Keule, nicht am Knochen. Eine Gans wird immer durchgegart, nicht rosa.
Wie wird die Gänsehaut knusprig?
Die Gans vor dem Braten innen und außen trocken tupfen und die Haut salzen, beim Braten regelmäßig mit dem Bratensaft übergießen. Zum Schluss die Gans auslösen und die Stücke mit der Haut nach oben unter dem Grill bei 220 °C knusprig grillen. Längeres Garen macht die Haut nicht knuspriger.
Frische oder tiefgekühlte Gans?
Beides geht. Ich nehme gern eine tiefgekühlte, denn tiefgekühlte Gänse liefern zarteres Fleisch als frische.
Wie taue ich eine Gans richtig auf?
Über Nacht auf einem tiefen Backblech, abgedeckt mit einem Geschirrtuch. So läuft das Auftauwasser ab und die Haut bleibt trocken.
Womit füllt man eine Gans?
Klassisch mit Äpfeln, Zwiebeln und Beifuß oder Majoran, dazu Salz und Pfeffer. Ich fülle meist klein geschnittene Äpfel und Zwiebeln im gleichen Verhältnis ein. Die Füllung würzt den Bratensaft und dient später zur Soße.
Kann ich den Gänsebraten vorbereiten?
Ja. Am besten brätst du die Gans vormittags, löst sie gegen Mittag aus und grillst die Stücke erst kurz vor dem Essen knusprig. Die Gänsesoße lässt sich sogar gut am Vortag kochen.
Was mache ich mit dem Gänsefett?
Das helle Gänsefett schöpfe ich ab und bewahre es separat auf. Es ist ein hitzestabiles Bratfett, ideal für Bratkartoffeln, Blaukraut oder Knödelgröstl, und die Basis für Gänseschmalz als Aufstrich auf frischem Brot.
Gänsebraten fürs Fest



Keulen, Soße und Fond



Nichts verschwenden

Mein Resterezept: Knödelgröstl mit Gänsefett

Knödelgröstl mit Gänsefett
Zutaten
- 4-6 Stück Semmelknödel vom Vortag
- 1 EL Gänsefett
- 25 g Butter
- 1 TL Majoran
- 1 Prise Salz
- 1 Prise Pfeffer
Zubereitung
- Die Semmelknödel vom Vortag in etwa 5 mm dicke Scheiben schneiden.
- Die Knödelscheiben in einer großen Pfanne im Gänsefett beidseitig kräftig anbraten.
- Die Butter dazugeben, aufschäumen lassen und mit Majoran, Salz und Pfeffer abschmecken.
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