Zwiebeln und Schalotten liegen in meiner Küche immer griffbereit. Für mich als Koch sind sie einer der wichtigsten Unterschiede zwischen einer guten und einer wirklich guten Sauce. Hier findest du, wann ich zur Zwiebel und wann zur Schalotte greife, wie du sie würfelst, anschwitzt und lagerst, dazu meine Rezepte, in denen Zwiebeln die Hauptrolle spielen.
Zwiebel oder Schalotte?
Rohe Zwiebeln schmecken sehr kräftig. Angeschwitzt und lange gegart werden sie süß: Goldbraun geschwitzt geben sie Gulasch und Gulaschsuppe ihre dunkle, kräftige Basis.
Für Salate nehme ich am liebsten rote Zwiebeln. Fein gewürfelt bringen sie Farbe und einen milden, leicht süßlichen Biss, der besser zum Sommer passt als die kräftige gelbe. Traditionell gehören sie in den Wiener Kartoffelsalat, im Bohnensalat kommen sie sofort in die Marinade.
Schalotten sind nicht einfach kleine Zwiebeln. Sie sind milder, etwas süßer und deutlich feiner im Aroma. Besonders bei Fisch, Salaten und Saucen macht das den Unterschied. Hauchdünn geschnitten verfeinern sie roh, wo rohe Zwiebeln zu kräftig wären.
Der beste Ersatz ist das Weiße von Frühlingszwiebeln, es kommt der feinen Textur am nächsten. Nimmst du eine gelbe Zwiebel, reduziere die Menge um ein Drittel und gib eine winzige Prise Zucker dazu.
Bei der Zwiebel hast du mehr Auswahl, als die meisten denken. Die gelbe Zwiebel ist der Standard, kräftig im Geschmack und gut zu robusten Gerichten. Die weiße Zwiebel ist aromatisch und etwas milder als die gelbe. Die Schalotte ist die feinste Wahl, dezent und mit eigener Süße. Jungzwiebeln oder Frühlingszwiebeln verarbeite ich mit dem grünen Stiel, frisch und sommerlich.
Zwiebelwürfel setzen sich in einer hellen Sahnesoße kräftig durch und schieben sich vor das Fleisch. Beim Putengeschnetzelten nehme ich deshalb grundsätzlich eine Schalotte statt einer Zwiebel, sie würzt mit, bestimmt die Soße aber nicht allein. Auch bei Pfifferlingen bevorzuge ich Schalotten, weil sie die zarten Pilze nicht überlagern. Zwiebeln sind dabei kein Fehler, sie machen die Soße nur deutlich derber.
Die Gemüsezwiebel ist eine besonders große Speisezwiebel, milder und süßer als die gelbe Haushaltszwiebel. Sie kommt meist aus Spanien.
Einkauf: fest und trocken
Beim Einkauf achte ich darauf, dass die Zwiebeln fest sind und eine trockene Schale haben, die beim Anfassen leicht raschelt. Weiche Stellen oder Druckstellen lasse ich liegen.
Lagerung und Haltbarkeit
Klebt die Schale der Schalotten, lege sie für zwei Minuten in lauwarmes Wasser. Die Schale lässt sich danach fast in einem Stück abziehen. Schalotten mögen es trocken, dunkel und luftig, ein Netz oder eine offene Schale in der Küche ist ideal. In den Kühlschrank gehören sie nicht, dort verlieren sie schneller an Aroma und können weich werden.
Rohe, geschnittene Zwiebeln beginnen zu gären und machen einen Salat schnell streng, im Sommer viel schneller als im Winter. Gehackte Zwiebeln gären schneller als geschnittene. Essig, Zucker und Salz halten die Zwiebeln frisch, dafür müssen sie aber vollständig mit Marinade bedeckt sein. In Frischkäse und Aufstriche kommt bei mir keine Zwiebel, dort gärt sie nach kurzer Zeit und macht den Aufstrich ungenießbar.
Wie Schalotten lagerst du auch Zwiebeln am Besten kühl, dunkel, trocken und luftig, im Keller oder in einem Behälter mit Luftlöchern. In Plastiktüten und im Kühlschrank ist es ihnen zu feucht. Ich empfehle dir außerdem, Zwiebeln nie neben Kartoffeln zu lagern: Zwiebeln lassen Kartoffeln schneller keimen und faulen. Gut gelagert halten Zwiebeln je nach Sorte mehrere Monate.
Saison
Speisezwiebeln aus deutschem Anbau gibt es dank guter Lagerung das ganze Jahr. Frisch geerntet wird vom Frühsommer bis in den Herbst: zuerst die Winterzwiebeln, danach die Sommerzwiebeln.
Vorbereiten: würfeln, nie hacken
Die Zwiebel mittig durch die Wurzel halbieren und schälen, den Wurzelansatz dranlassen. Die Hälfte flach auflegen, vertikal bis 0,5 cm vor die Wurzel einschneiden, dann zwei- bis dreimal horizontal, und in Würfel schneiden. Hacken solltest du die Zwiebel nicht, sie wird dadurch bitter und verliert viel Saft. Verwende die Würfel unmittelbar nach dem Schneiden. Schritt für Schritt: Zwiebel würfeln
Mit einem stumpfen Messer saftet die Zwiebel. Im Thermomix zerkleinerte Zwiebeln sind gehackte Zwiebeln, sie entsprechen nicht dem Schnittbild sauber geschnittener Würfel und können bitter werden. Bei der Schalotte gehe ich wie bei der Zwiebel vor: halbieren, erst dann die Schale abziehen, die Wurzel bleibt am Fuß der Hälften.
Für Salate lege ich Zwiebelwürfel unmittelbar nach dem Schneiden in Essig, Salz, Pfeffer und Zucker ein. Damit unterbreche ich den Gärprozess, die Zwiebel schmeckt im Salat frisch und fein. Für den Kartoffelsalat ziehe ich die Würfel etwa zehn Minuten in Essig und Zucker und mische sie dann ohne die Marinade unter, das macht sie milder. Beim Wiener Kartoffelsalat zieht die rote Zwiebel in der heißen Brühe nur mit und bleibt resch.
Gegen Tränen hilft vorallem ein scharfes Messer. Es verletzt weniger Zellen der Zwiebel, dadurch werden weniger der Stoffe frei, die in den Augen brennen. Zusätzlich empfehle ich dir ein gut gewässertes Holzbrett.
Garen: glasig, goldbraun, knusprig
Anschwitzen ist das sanfte, farblose Garen in Fett: Butter schmelzen, die Zwiebelwürfel dazugeben und bei milder Hitze glasig werden lassen. Nimmt die Zwiebel Farbe an, war die Hitze zu hoch. Schalotten brauchen dafür etwa zehn Minuten bei mittlerer Hitze. Für Gulaschsuppe dagegen schwitze ich die Zwiebeln bewusst 12 bis 15 Minuten goldbraun und karamellisiere sie mit etwas Rohrohrzucker. Anschwitzen einfach erklärt
Bei der Gulaschsuppe bekommen die Zwiebeln den Topf zuerst für sich allein: Ich gebe sie in das heiße Öl und lasse ihnen Zeit, bis sie wirklich goldbraun sind. Erst dann kommt das Fleisch dazu. Umgekehrt hätten die Zwiebeln unter dem Fleisch keine Gelegenheit mehr, Farbe zu nehmen. Goldbraun angebratene Zwiebeln geben der Suppe ihre satte Farbe, blass angedünstete lassen sie fahl wirken. Fürs Gulasch nehme ich ungefähr so viele Zwiebeln wie Fleisch und schneide sie fein statt in Streifen. Beim langen Schmoren zerfallen sie und machen die Soße von selbst sämig.
In einer hellen Pilzsoße schwitze ich die Schalotte deshalb nur glasig an, braun darf sie nicht werden. Für Rippchen aus dem Ofen lasse ich Knoblauch und Zwiebel in der Würze weg, beide verbrennen bei 200 °C schnell und werden bitter.
Für Röstzwiebeln wende ich feine, rohe Zwiebelringe in Mehl mit wenig Paprika edelsüß und frittiere sie in heißem Öl knusprig. Das Öl erhitze ich exakt auf 175 °C und passe auf, denn mehlierte Zwiebeln lassen das Fett sehr unruhig werden. Ich gebe nicht zu viele Ringe auf einmal ins Öl, sonst kühlt das Fett zu stark ab und die Zwiebeln werden fettig statt knusprig. Danach lasse ich sie auf Küchenkrepp abtropfen und salze sie. Frisch frittiert schmecken sie am knusprigsten, mit der Zeit werden sie weicher.
Wofür ich Zwiebeln nehme
Zwiebeln sind in meiner Küche die Grundlage vieler Schmorgerichte: Im Rindergulasch, Wildschweingulasch und Kartoffelgulasch geben sie zusammen mit angeröstetem Tomatenmark der Soße ihren Grundgeschmack. Für Semmelknödel schwitze ich feinste Zwiebelwürfel in Butter mindestens 10 Minuten weich, das erzeugt den typischen Geschmack. Beim Zwiebelrostbraten kommen knusprige Röstzwiebeln zum Schluss obenauf aufs Fleisch. In Ente und Gans kommen Zwiebeln geviertelt mit Äpfeln in den Bauchraum und würzen den Bratensaft. Und für den Rotkohl stecke ich Nelke und Lorbeerblatt in eine Zwiebel, so kann ich sie am Ende leicht wieder entnehmen.
Herkunft: meist aus Deutschland
Speisezwiebeln gehören zu den Gemüsen mit der größten Anbaufläche in Deutschland, auf rund 20.000 Hektar wachsen sie hier im Freiland. Deutschland erntet deutlich mehr Zwiebeln, als es einführt. Die Importe kommen vor allem aus Spanien.
Häufige Fragen zu Zwiebeln
Warum soll man Zwiebeln nicht hacken?
Gehackte Zwiebeln werden bitter und verlieren viel Saft. Sie gären außerdem schneller. Ich schneide Zwiebeln deshalb mit einem scharfen Messer in Würfel und verwende sie unmittelbar nach dem Schneiden.
Was ist der Unterschied zwischen Zwiebel und Schalotte?
Schalotten sind nicht einfach kleine Zwiebeln. Sie sind milder, etwas süßer und deutlich feiner im Aroma. Bei Fisch, Salaten und hellen Soßen macht das den Unterschied, während rohe Zwiebeln dort oft zu kräftig wären.
Wie werden rohe Zwiebeln milder?
Leg die Würfel direkt nach dem Schneiden in Essig mit etwas Salz und Zucker. Nach etwa zehn Minuten mischst du sie ohne die Marinade unter den Salat. Schalotten statt Zwiebeln sind ebenfalls milder.
Warum schmeckt Zwiebel im Salat nach einiger Zeit streng?
Rohe, geschnittene Zwiebeln gären, im Sommer schneller als im Winter. Vollständig mit einer Marinade aus Essig, Zucker und Salz bedeckt bleiben sie frisch. Ist das nicht möglich, schneide ich sie erst kurz vor dem Servieren frisch und mische sie unter.
Wie lange brate ich Zwiebeln für Gulaschsuppe an?
Bis sie wirklich goldbraun sind. Die Zwiebeln kommen zuerst allein ins heiße Öl, das Fleisch erst danach. Für die Gulaschsuppe karamellisiere ich sie zusätzlich mit etwas Rohrohrzucker, so werden sie süß und geben der Suppe ihre dunkle, kräftige Basis.
Kann man Röstzwiebeln ohne Fritteuse machen?
Ja, in der Pfanne oder im Topf. Für Käsespätzle schneide ich die Zwiebeln in Streifen und schwitze sie bei hoher Hitze mit etwas Öl hellbraun. Frittierst du im Topf, gib nicht zu viele Ringe auf einmal ins Öl, sonst kühlt das Fett ab und die Zwiebeln werden fettig.
Wie lagere ich Zwiebeln richtig?
Kühl, dunkel, trocken und luftig, zum Beispiel im Keller oder in einem Behälter mit Luftlöchern. Nicht in Plastiktüten, nicht in den Kühlschrank und nicht neben Kartoffeln, die sonst schneller keimen. So halten ganze Zwiebeln mehrere Monate.
Wie lagere ich Schalotten?
Trocken, dunkel und luftig, ein Netz oder eine offene Schale in der Küche ist ideal. In den Kühlschrank gehören sie nicht, dort verlieren sie schneller an Aroma und können weich werden.
Rezepte, in denen Zwiebeln die Hauptrolle spielen




Mein Grundrezept: Karamellisierte Zwiebeln

Karamellisierte Zwiebeln
Zutaten
- 3 Stück große Zwiebel
- 40 g Pflanzenöl
- 3 Prisen brauner Rohrohrzucker
Zubereitung
- Die Zwiebeln schälen und fein würfeln.
- Die Zwiebelwürfel im Öl bei mittlerer Hitze langsam 12 bis 15 Minuten goldbraun anschwitzen.
- Den Rohrohrzucker dazugeben und die Zwiebeln karamellisieren lassen.
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